Anhand der folgenden fiktiven Einsatzszenarien wollen wir die Möglichkeiten von OpenGeoMesh darstellen und wie zukünftig die Unterstützung von Hilfsorganisationen mit Einsatzleitsoftware durch OpenGeoMesh weiter ausgebaut werden kann. Die Szenarien bieten eine vereinfachte Sicht auf die komplexen Abläufe im Rahmen von Hilfs- und Katastrophenschutzeinsätzen. Bei Fragen, Ergänzungen und Korrekturen freuen wir uns über eine Mail an info@opengeomesh.org.
Vermisstensuche🔗
Es ist ein kühler Herbstabend, als bei der Polizei die Meldung eingeht, dass ein 34-jähriger Wanderer von seiner Tour nicht zurückgekehrt ist. Die Angehörigen sind beunruhigt, denn die geplante Route führte über einen anspruchsvollen Grat, und die Temperaturen sinken bereits deutlich. Eine Streife macht sich auf den Weg zum Ausgangspunkt der Tour und findet das Auto des Vermissten auf einem abgelegenen Parkplatz. Alles deutet darauf hin, dass der Vermisste sich weiterhin am Berg befindet und der Standort des Autos bestätigt die vermutete Route.
Die Polizei dokumentiert Fundort des Autos und die potentielle Aufstiegsspur in ihrer Einsatzführungssystem, während die Leitstelle die Bergwacht nachalarmiert. Die Polizei teilt über OpenGeoMesh ihre Lagekarte mit der Bergwacht Bereitschaft, wodurch die initale Abstimmung beschleunigt werden kann und sofort ein erster Suchtrupp zu der wahrscheinlichsten Aufstiegsspur ausrücken kann.

Mit Hilfe ihrer Ortskenntnis und dem detailierten Kartenmaterial im "Bergwacht Companion" definiert die Einsatzleiterin der Bergwacht Suchzonen entlang der kritischen Abschnitte der Tour. Nach und nach treffen zusätzliche Einsatzkräfte von den Nachbarbereitschaften der Bergwacht und von den Feuerwehren ein. Um den neu eintreffenden Kräften einen schnellen Überblick über die Situation zu geben wird der Zugriff auf die Lagekarte mit Aufstiegsspur, Standort des Autos und Suchzonen über OpenGeoMesh an die Einsatzleitsoftwares der jeweiligen Organisationen freigegeben.

Die Suchtrupps brechen in das Einsatzgebiet auf, die ihnen zugeordneten Suchkorridore werden ihnen unabhängig von der Organisation direkt auf ihren mobilen Geräten angezeigt. In der Zwischenzeit hat auch die Unterstützungsgruppe der Bergwacht für Lokalisation, Kommunikation, Lagedarstellung und Dokumentation (LKLD) den Einsatzort erreicht und beginnt die Einsatzführung zu übernehmen. Dank OpenGeoMesh reicht eine einfache Freigabe um die bestehende Lagekarte in Sekunden in die professionelle Einsatzleitsoftware des LKLD zu übertragen.
Während die meisten Suchtrupps noch auf dem Weg zu ihren Einsatzabschnitten sind, stößt die erste Gruppe auf einen Gipfelbucheintrag des Vermissten. Sie markieren den Fundort in der Lagekarte, der über OpenGeoMesh sofort auch für allen anderen Beteiligten sichtbar wird, niemand arbeitet mit veralteten Annahmen. Durch den Fund können die Suchzonen umpriorisiert werden. Die Einsatzkräfte können über Handys ihren Standort teilen, was ohne umfangreichem Funkverkehr eine effiziente Zuteilung auf die neuen Suchkorridore erlaubt.
Das LKLD startet mehrere Flüge mit Wärmebildkameras. Die Flugbereiche werden im System hinterlegt, sodass alle Beteiligten wissen, wo sich die Drohnen befinden. Als eine unklare Wärmesignatur im Wald entdeckt wird, markiert der Drohnenpilot die Stelle als unbestätigte Sichtung. Die Drohne ist an die Einsatzleitsoftware des LKLD angebunden und kann neben dem Bild der Wärmebildkamera auch die geteilte Lagekarte anzeigen, die in Echtzeit die Standorte der Einsatzkräfte darstellt. Damit kann ausgeschlossen werden, dass es sich um eine der Rettungskräfte handelt. Ein Bodentrupp befindet sich in unmittelbarer Nähe. Dieser wird gezielt zu der Position geführt. Wenig später stellt sich heraus, dass es sich um ein Tier handelt, doch der Abgleich erfolgt schnell und ohne unnötige Ausweitung der Suche.
Kurz darauf trifft ein Hubschrauber der Polizei ein. Während früher die Koordination zwischen Luft- und Bodeneinheiten hauptsächlich über Funk erfolgte, sind nun alle Flugbewegungen und Einsatzräume über OpenGeoMesh in der gemeinsamen Karte sichtbar. Die Drohnenpiloten passen ihre Flugzonen an, der Hubschrauber erhält freie Suchkorridore. Die Abstimmung erfolgt nahezu beiläufig über das geteilte Lagebild und reduziert das Risiko gefährlicher Annäherungen erheblich.

Kurz nach Mitternacht meldet schließlich ein Trupp einen Fund. Die vermisste Person wurde entdeckt, offenbar verletzt und bewegungsunfähig. Die Position wird exakt markiert, mit einem Blick in die geteilte Lagekarte ist klar, welche Kräfte sich in der Nähe befinden. Weitere Einsatzkräfte und ein Notarzt werden gezielt zum Patienten geführt, während gleichzeitig ein geeigneter Landeplatz für den Hubschrauber eingezeichnet wird. Alle Beteiligten sehen in Echtzeit, wer sich wohin bewegt. Doppelwege und Verzögerungen werden vermieden.
Während die Versorgung und der Abtransport vorbereitet werden, behält die Einsatzleitung weiterhin den Überblick über alle eingesetzten Kräfte. Das System zeigt, welche Trupps sich noch im Gelände befinden und wer bereits auf dem Rückweg ist. Die Einsatzkräfte müssen nicht an einzelnen Sammelplätzen warten, sondern können eigenständig ins Tal gehen und gezielt abgeholt werden sobald sie befahrbare Straßen erreichen.
Am Ende bleibt nicht nur die erfolgreiche Rettung, sondern auch eine vollständige Dokumentation des Einsatzes. Alle Entscheidungen, Bewegungen und Funde sind bereits im System erfasst. Was früher mühsam nachbereitet werden musste, liegt nun strukturiert vor.
In diesem Einsatz zeigt sich der eigentliche Mehrwert von OpenGeoMesh nicht in einer einzelnen Funktion, sondern im Zusammenspiel aller Beteiligten. Polizei, Bergwacht und weitere Kräfte arbeiten nicht mehr nebeneinander, sondern tatsächlich miteinander – auf Basis eines gemeinsamen, stets aktuellen Lagebildes. Informationen gehen nicht verloren, Entscheidungen werden schneller getroffen, und die Koordination im komplexen Gelände wird spürbar effizienter.
Flutkatastrophe🔗
Ein anhaltender Starkregen hat in einer ganzen Region zu Überflutungen geführt. Mehrere Flüsse sind über die Ufer getreten, Straßen stehen unter Wasser, Keller laufen voll, und erste Evakuierungen werden notwendig. Die Lage betrifft nicht nur eine einzelne Gemeinde, sondern erstreckt sich über mehrere Landkreise hinweg. In den Leitstellen der Feuerwehr und der Katastrophenschutzbehörden laufen die Notrufe im Minutentakt ein. Schnell wird klar: Es handelt sich um eine großflächige Einsatzlage, die nur mit überregionaler Koordination zu bewältigen ist.
Früh werden die Lagekarten der einzelnen Hilfsorganisationen über OpenGeoMesh in ein gemeinsames digitales Lagebild zusammengeführt. Die ersten Einsatzorte werden darin verortet: ein überflutetes Altenheim, mehrere Straßenzüge mit vollgelaufenen Kellern, eingeschlossene Personen in Fahrzeugen auf einer unterspülten Bundesstraße. Anders als in kleineren Einsätzen entsteht hier kein einzelner Einsatzschwerpunkt, sondern eine Vielzahl paralleler Lagen, die gleichzeitig priorisiert und koordiniert werden müssen.
Die Einsatzleitung strukturiert das Geschehen nach den im Katastrophenschutz etablierten Abläufen. Einsatzabschnitte werden gebildet, Führungsstrukturen festgelegt, und die eingehenden Meldungen kategorisiert. Über OpenGeoMesh werden diese Abschnitte allen beteiligten Organisationen sichtbar gemacht. So entsteht eine gemeinsame Arbeitsgrundlage, obwohl die einzelnen Einheiten mit unterschiedlichen Einsatzleitsoftwares arbeiten.
Im weiteren Verlauf werden Kräfte aus Nachbarlandkreisen nachalarmiert, darunter Einheiten des Technisches Hilfswerk, der Wasserwacht sowie spezialisierte Canyoningrettern der Bergwacht. Viele dieser Einsatzkräfte sind mit der Region nicht vertraut. Straßenführungen, kritische Infrastruktur oder lokale Besonderheiten sind ihnen unbekannt. Doch beim Eintreffen können sie sofort auf das gemeinsame Lagebild zugreifen. Dort sehen sie nicht nur aktuelle Einsatzstellen, sondern auch gesperrte Straßen, Sammelpunkte und bereits abgearbeitete Bereiche. Unerwartete Hindernisse wie unterspülte Brücken oder überflutete Unterführungen werden in den Lagekarten der jeweiligen Hilfsorganisationen erfasst und mit OpenGeoMesh weitergegeben.
Währenddessen spitzt sich die Lage an mehreren Punkten gleichzeitig zu. Die Evakuierung eines Pflegeheims im gefährdeten Bereich wird priorisiert. Das Katastrophenschutzamt kann über OpenGeoMesh vorbereitete Evakuierungspläne, Routen und Standorte von Notunterkünften gezielt mit den beteiligten Hilfsorganisationen teilen. An anderer Stelle gilt es durch Sandsäcke einen Damm zu stabilisieren oder kritische Infrastruktur zu schützen. Parallel dazu meldet eine andere Einheit eingeschlossene Personen auf Hausdächern. Auch diese Positionen können inklusive einer Dringlichkeitseinstufung in der Lagekarte vermerkt werden. Die Einsatzleitung kann so fundiert entscheiden, welche Ressourcen zuerst wohin geschickt werden. Alle Maßnahmen sind im Lagebild sichtbar und verhindern doppelte Arbeit oder das Übersehen kritischer Punkte.
Im Laufe der Nacht kommen immer mehr Einheiten hinzu. Ohne ein gemeinsames System würde dies schnell zu Informationsbrüchen führen: unterschiedliche Kartenstände, widersprüchliche Lageeinschätzungen und aufwendige Abstimmungen per Funk. Stattdessen sehen alle Abschnittsleiter in Echtzeit, welche Einsatzstellen bereits bearbeitet werden, wo noch Bedarf besteht und welche Kräfte verfügbar sind. Auch logistische Informationen wie Sammelräume, Verpflegungsstellen oder Bereitstellungsplätze werden zentral eingetragen und sind für alle zugänglich.
In vielen Einsatzabschnitten ist die Mobilfunkversorgung beeinträchtigt oder fällt komplett aus. Durch die dezentrale Architektur von OpenGeoMesh können Einsatzleiter und Unterstützungsgruppen wie das LKLD auf dem letzten verfügbaren Stand der geteilten Lagekarten autark weiterarbeiten, bei Wiederherstellung der Internetverbindung werden die verschiedenen Stände automatisch wieder zusammengeführt.
Nach vielen Stunden intensiver Arbeit stabilisiert sich die Lage allmählich. Die Pegel sinken, akute Gefahren werden weniger, und der Fokus verschiebt sich auf Nachsorge und Aufräumarbeiten. Auch hier bleibt das Lagebild wertvoll: bereits abgearbeitete Einsatzstellen sind dokumentiert, offene Aufgaben klar erkennbar, und die eingesetzten Kräfte können systematisch zurückgeführt werden.
Die Herausforderung bei derartigen Einsätzen liegt nicht nur in der Vielzahl der Aufgaben, sondern in ihrer gleichzeitigen Koordination über große Räume hinweg. OpenGeoMesh ermöglicht es, diese Komplexität beherrschbar zu machen. Es verhilft Organisationen, die mit unterschiedlichen spezialisierten Systemen arbeiten, zu einem gemeinsamen Lagebild. So entsteht aus vielen einzelnen Maßnahmen ein abgestimmtes, effizientes Vorgehen – selbst in einer dynamischen und großflächigen Katastrophenlage.